Möbelhäuser in den Innenstädten: Ikea plant radikalen Schritt

Ikea will in die Innenstädte

Große Möbelhäuser am Standrand könnten irgendwann der Vergangenheit angehören. Das konsumverhalten der Kundschaft hat sich radikal geändert – und mit ihm müssen sich auch die Konzepte der Möbelhäuser ändern. Ikea hat dies bereits erkannt und plant Filialen in den Innenstädten.

Deutsche Verbraucher setzen auf Design und Bequemlichkeit

Quelle: Ikea

Bisher findet man die großen Möbelhäuser wie Ikea, XXXLutz oder Porta auf der grünen Wiese am Stadtrand. Doch laut Handelsverband Möbel und Küchen (BVDM) haben Frequenz und Umsatz stark nachgelassen. Selbst Rabattschlachten von teilweise bis zu 70 Prozent für ausgewählte Möbelstücke können Kundenmassen nicht mehr locken.

Eine aktuelle Umfrage von Allensbach im Auftrag des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM) zeigt, dass für die Deutschen Design und Bequemlichkeit die wichtigsten Kaufkriterien bei Möbeln sind. Ein möglichst günstiger Preis liegt dabei eher auf den hinteren Plätzen.

Innenstadtlage und E-Commerce

Laut BVDM-Geschäftsführer Thomas Grothkopp ändere sich das Verbraucherverhalten mit einer bislang nicht gekannten Dynamik.  „Die Innenstadt wird wieder zur Möbellage“, so der Handelsexperte. „Während Handel früher Besuchsmagnet und Frequenzbringer war, hat sich das Blatt nun gedreht: Händler müssen zu den Kunden kommen, sich Standorte mit Frequenz suchen, also in die Bewegungsräume der Konsumenten einziehen“, sagt Eva Stüber, Mitglied der Geschäftsleitung beim Institut für Handelsforschung (IfH) aus Köln.

Hinzu kommt das mittlerweile gut etablierte E-Commerce in der Möbelwelt. Der Anteil der online bestellten Möbel wird von Experten auf bereits zehn Prozent geschätzt. „Durch das Internet haben die Kauf- und Informationsmöglichkeiten stark zugenommen und Convenience – also die Schnelligkeit, Einfachheit und Bequemlichkeit – ist dadurch für Konsumenten zum bedeutendsten Faktor aufgestiegen – fast unabhängig von der Lebenssituation“, so Stüber.

Ikea prescht vor …

Als erste Möbelkette reagiert der schwedische Konzern Ikea – und das auf ziemlich radikale Weise. Der europäische Marktführer setzt bei seiner Expansion in Deutschland nicht mehr auf neue großformatige Standorte, sondern auf eine möglichst nahe Lage zur Innenstadt. Bereits laufende Projekte wurden bis auf eine Ausnahme gestoppt.

„Dort waren die Arbeiten schon zu weit fortgeschritten“, erklärt Landeschef Dennis Balslev. Er will Ikea in die Innenstädte bringen, entsprechende Konzepte werden derzeit ausgearbeitet. Dabei sind sowohl Möbelhäuser im Stadtzentrum denkbar als auch kleine Verkaufspunkte, Showrooms oder Pop-up-Stores in Einkaufszentren oder Warenhäusern.

… die Konkurrenz verharrt

Andere Möbelhäuser scheinen den Trend „weg von der dezentralen Lage hin zum Stadtzentrum“ noch nicht zwingend genug zu finden. Weder XXXLutz noch Porta haben bisher Planungen für Einrichtungshäuser in Innenstädten, wie beide Konzerne auf Nachfragen von Welt betonen.

Segmüller berichtet immerhin von zwei kleineren Filialen in den Innenstädten von Stuttgart und Frankfurt, die laut Geschäftsführer Christof Gerpheide „erfolgreich betrieben werden“.

Die großen Anbieter müssen aufpassen, den Trend nicht zu verschlafen. „Wie Ikea es vormacht, gilt es auch für den restlichen Möbelhandel aktiv zu werden, neue Konzepte zu testen und eine nachhaltige Umpositionierung anzugehen“, so Handelsberaterin Stüber. Sie rät den Anbietern, näher an den Verbraucher heranzurücken. Und das möglichst bald. Denn: Das Geschäft mit den Möbeln in den Innenstädten können auch andere übernehmen. Zu diesen „Anderen“ zählen beispielsweise Anbieter aus dem Ausland oder Firmen, die bislang nur online Möbel verkauft haben.

Und Newcomer nutzen die Gunst der Stunde

Letztere haben die großen Möbelhäuser in den vergangenen Jahren mehr als bedrängt. Zwar gehört ein Online-Shop für XXXLutz, Porta und Co. mittlerweile zur obligatorischen Ausstattung. Aber führend im Onlinehandel mit Möbeln sind andere Unternehmen wie Versandhändler Otto, Amazon, Home24, Reuter oder Bett1. Sie alle werden vom EHI-Institut in der Statistik „E-Commerce-Markt Deutschland 2018“ unter den 100 umsatzstärksten Onlineshops aufgeführt. Von den klassischen Möbelhäusern ist hingegen nur Ikea auf der Liste zu finden.

Doch damit nicht genug: Neue Konkurrenz ist bereits im Anmarsch. Dazu zählt unter anderem Westwing, die zudem einen Pop-up-Store mitten in der Hamburger Innenstadt eröffnet haben und damit genau dorthin drängen, wo eigentlich XXXLutz, Höffner und all die anderen Möbelgiganten sein sollten: beim Kunden.

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